Handchirurgie
Fünf Finger, 27 Knochen, 36 Gelenke, 39 Muskeln und über 17.000 Rezeptoren – die Hände sind einer der komplexesten Körperteile des Menschen. Gleichzeitig sind die Hände im Alltag das wohl wichtigste Werkzeug und Verletzungen sind für Betroffene schnell mit vielen kleineren oder großen Einschränkungen verbunden. Bei akuten oder chronischen Erkrankungen der Hand ist daher spezielles chirurgisches Fachwissen gefordert, um Operationen an den sehr feinen Strukturen der Hand vornehmen zu können. Die besondere Bedeutung der Hände wird auch darin deutlich, dass Kliniken die Zusatzbezeichnung „Handchirurgie“ nur nach einer mehrjährigen Weiterbildung und Prüfung eines chirurgischen Facharztes verwenden dürfen.
In der Handchirurgie der LA-Regio Kliniken wird den Patienten eine kompetente Behandlung sämtlicher Erkrankungen der Hand und des Ellenbogens auf der Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse und unter Anwendung modernster Behandlungsverfahren geboten.
Diagnostik & Therapie
Schwerpunkte und Besonderheiten der Handchirurgie sind
Das Handgelenk ist aufgrund seines komplexen Aufbaus anfällig für eine Vielzahl von Erkrankungen, die sowohl durch Verletzungen der Knochen, Bänder und Gelenke als auch durch Stoffwechselstörungen oder rheumatische Erkrankungen verursacht werden können. Eine genaue Diagnose erfordert oft eine sorgfältige Untersuchung und viel Erfahrung, um die genaue Ursache der Beschwerden zu bestimmen.
Die Gelenkspiegelung (Arthroskopie) spielt eine zentrale Rolle bei der Diagnose und Behandlung von Handgelenksverletzungen und -erkrankungen, da sie es ermöglicht, nahezu alle Bereiche des Handgelenks mit entsprechend miniaturisierter Kameraoptiken einzusehen und mit minimalen Schnitten zu untersuchen und zu behandeln. Sie ist besonders wertvoll bei der Beurteilung von Bänderverletzungen, Verschleißerscheinungen und Frakturen, da sie detaillierte Informationen über kleine Strukturen liefert, die mit anderen bildgebenden Verfahren nicht sichtbar sind. Zudem ermöglicht sie eine präzise und minimalinvasive Behandlung von Knorpelschäden, Entzündungen und Ganglien sowie eine sichere Versorgung von Frakturen, insbesondere bei Radiusfrakturen.
Dank moderner Materialien können heute bei fortgeschrittenem Verschleiß Fingergelenke oder das Handgelenk durch künstliche Gelenke ersetzt werden, was eine schmerzfreie Beweglichkeit ermöglicht. Während früher Gelenke versteift werden mussten, bieten künstliche Gelenke nun eine bedeutende Option in der Handchirurgie, vor allem in Anbetracht der zentralen Rolle der Hand im Alltag. Die Entscheidung für den Einsatz einer Gelenkprothese wird jedoch stets individuell getroffen, wobei auch bewährte, bewegungserhaltende Alternativen berücksichtigt werden.
Operationsmikroskope und hochvergrößernde Lupenbrillen haben die Möglichkeiten in der Hand- und rekonstruktiven Chirurgie stark verbessert, insbesondere durch die Entwicklung extrem dünner Nahtmaterialien, die es ermöglichen, kleine Blutgefäße und Nerven zu nähen. Diese mikrochirurgischen Verfahren sind entscheidend für die funktionelle Rekonstruktion der Hand, erfordern jedoch ein hohes Maß an Geschicklichkeit und Erfahrung des Chirurgen.
Dem allgemeinen Trend der Verkleinerung chirurgischer Eingriffe folgend werden auch in der Handchirurgie bestimmte Operationen mit nur kleinen Hautschnitten durchgeführt. Diese Techniken kommen beispielsweise bei der Freilegung von Nerven (Karpaltunnelsyndrom, Sulcus Ulnaris Syndrom etc.) oder bei der Gelenkdiagnostik zur Anwendung.
Das Ellenbogengelenk verbindet Oberarm und Unterarm und kann von verschiedenen Erkrankungen betroffen sein, die sowohl das Gelenk selbst (Knochen, Bänder, Knorpel) als auch die umgebenden Weichteile betreffen. Typische Erkrankungen wie Arthrose, Schleimbeutelentzündungen, Tennis- oder Golferellenbogen, sowie Nervenengpasssyndrome können durch akute Verletzungen oder chronische Belastungen entstehen. Zur Behandlung werden neben klassischen chirurgischen Verfahren auch moderne arthroskopische und minimal-invasive Techniken eingesetzt.
Leistungsspektrum
Arthrose bezeichnet den fortschreitenden Verschleiß von Gelenken und betrifft besonders häufig die Fingergelenke sowie das Daumensattelgelenk, wobei Ursachen meist unklar sind und allgemeine Faktoren wie Alter, Geschlecht oder Veranlagung eine Rolle spielen. Sie führt über verschiedene Stadien hinweg zu Knorpelverlust, Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und deformierenden Veränderungen, wobei das Fortschreiten nicht vollständig aufhaltbar ist, jedoch individuell sehr unterschiedlich verläuft.
Bei Fingergelenksarthrose können konservative Maßnahmen wie Schmerzmedikamente, entzündungshemmende Mittel, Salben, Kortisoninjektionen, Ruhigstellung sowie physikalische Anwendungen die Beschwerden lindern. In fortgeschrittenen Stadien stehen operative Verfahren wie die Durchtrennung von Schmerzfasern (Denervation), gelenkerhaltende Rekonstruktionen, Fingergelenksprothesen oder funktionell günstige Gelenkversteifungen zur Verfügung, wobei die Wahl des Verfahrens individuell nach Untersuchung entschieden wird.
Die Arthrose des Daumensattelgelenks betrifft vor allem Frauen ab 50 und entsteht durch die hohe Belastung und Beweglichkeit dieses Gelenks, was zu Knorpelverlust, Fehlstellung, Schmerzen und Kraftminderung führt. Konservative Maßnahmen wie Schienen oder Kortison können die Beschwerden nur vorübergehend lindern, während langfristig meist ein operatives Verfahren notwendig ist, um die Funktion wiederherzustellen.
Die Handgelenksarthrose ist ein degenerativer Verschleißprozess, der häufig durch Verletzungen, Bandinstabilitäten, Stoffwechselstörungen oder Durchblutungsprobleme entsteht und zu zunehmenden Schmerzen, Knorpelverlust und Bewegungseinschränkungen führt. Zunächst kommen konservative Maßnahmen wie Schmerzmedikation, Schienen oder Kortisoninjektionen zum Einsatz, während in fortgeschrittenen Stadien meist operative Verfahren – etwa Arthroskopie, Denervation, Teil- oder Totalversteifungen oder gelenkerhaltende Eingriffe – notwendig werden.
Karpale Bandverletzungen, besonders des SL-Bandes zwischen Kahn- und Mondbein, führen bei Fehlheilung langfristig zu Handgelenksarthrose mit Schmerzen, Kraftverlust und Bewegungseinschränkung. Die Behandlung reicht von konservativer Ruhigstellung bei frischen Verletzungen bis zu operativen Verfahren wie Bandrekonstruktionen, Teilversteifungen oder, bei fortgeschrittener Arthrose, Totalversteifung oder Handgelenksprothese. Diagnostik erfolgt über Röntgen, MRT oder Arthroskopie, abhängig vom Zeitpunkt und Schweregrad der Verletzung.
Die Dupuytrensche Kontraktur ist eine gutartige Bindegewebserkrankung der Handinnenfläche, die vor allem Männer betrifft und familiär gehäuft auftritt. Typisch sind knotige Stränge in der Hohlhand, die Finger zunehmend in eine gebeugte Stellung ziehen und so die Handfunktion einschränken; häufig sind Klein- und Ringfinger betroffen. Die Behandlung erfolgt meist operativ, gefolgt von Schienen, Physiotherapie und Nachsorge, wobei ein Wiederauftreten der Kontraktur trotz erfolgreicher Operation möglich ist.
Ein Ganglion (Überbein) ist eine gutartige, meist kugelförmige Vorwölbung in der Nähe von Gelenken oder Sehnenscheiden, die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen kann, häufig am Handgelenk. Konservative Behandlungen wie Punktion oder Ruhigstellung führen oft zu Rückfällen, sodass bei anhaltenden Beschwerden meist eine operative Entfernung erforderlich ist. Spezielle Formen wie Mukoidzysten an Fingerendgelenken oder Ringband- und Strecksehnenganglien werden ebenfalls überwiegend chirurgisch behandelt, um Rezidive und Komplikationen zu vermeiden.
Handgelenksschmerzen sind ein unspezifisches Symptom, das viele unterschiedliche Ursachen haben kann, von Arthrose und Bandverletzungen bis zu Sehnenerkrankungen oder Frakturen. Die Diagnose erfolgt zunächst durch genaue Anamnese und körperliche Untersuchung, ggf. ergänzt durch bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT, CT, Ultraschall oder Arthroskopie. Die Lokalisation der Schmerzen – Daumenseite, Handgelenksmitte oder Kleinfingerseite – liefert Hinweise auf mögliche Erkrankungen, wobei die genaue Zuordnung nicht immer eindeutig ist.
Ein Kahnbeinbruch (Skaphoidfraktur) ist der häufigste Handwurzelbruch und entsteht meist durch einen Sturz auf die ausgestreckte Hand, vor allem bei jungen, aktiven Männern. Typische Symptome sind Schmerzen unterhalb des Daumens, Schwellung und Bewegungseinschränkung. Die Diagnose erfolgt durch spezielle Röntgenaufnahmen oder CT; unbehandelte Brüche heilen oft nicht richtig und können zu Arthrose führen. Die Behandlung richtet sich nach Bruchtyp: einfache, stabile Brüche können konservativ im Gips versorgt werden, während verschobene oder komplizierte Brüche operativ mit speziellen Schrauben (Herbert-Schrauben) stabilisiert werden.
Die Kahnbeinpseudarthrose ist eine Komplikation eines nicht verheilten Kahnbeinbruchs, bei dem sich Bindegewebe statt Knochen bildet und eine instabile Verbindung entsteht, was zu einer typischen Deformität (Buckeldeformität) führt. Dies kann zu fortschreitender Arthrose im Handgelenk (SNAC-Wrist) führen, weshalb eine frühzeitige operative Behandlung erforderlich ist. Ziel der Operation ist die Entfernung des Bindegewebes und die Rekonstruktion des Kahnbeins, oft unter Verwendung eines Knochentransplantats und stabilisiert durch eine spezielle Schraube.
Das Karpaltunnelsyndrom ist die häufigste Nervenklemmsyndrom-Erkrankung, bei der der Nervus medianus im Handgelenk eingeklemmt wird, was zu Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den betroffenen Fingern führt. Es tritt häufig bei Frauen nach den Wechseljahren oder während der Schwangerschaft auf und kann durch Schwellungen oder andere Erkrankungen verursacht werden. Die Behandlung reicht von konservativen Maßnahmen wie Schienen und Kortisoninjektionen bis hin zu einer Operation, bei der das Karpaldach gespalten wird, um den Druck auf den Nerv zu entlasten.
Die Lunatumnekrose (Morbus Kienböck) ist eine Durchblutungsstörung des Mondbeins, die zu dessen Erweichung und Zerfall führt und meist schleichend mit Handgelenksschmerzen, Bewegungseinschränkungen und Kraftverlust beginnt. Die Ursache ist unklar, begünstigende Faktoren sind mechanische Überlastung und anatomische Varianten; die Diagnose gelingt oft erst spät mittels Röntgen oder MRT. Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium und umfasst je nach Ausprägung operative Maßnahmen zur Durchblutungsverbesserung, Schmerzreduktion oder Stabilisierung, da konservative Therapien meist wenig erfolgreich sind.
Die distale Radiusfraktur ist der häufigste Knochenbruch und entsteht meist durch einen Sturz auf die ausgestreckte Hand, was zu starken Schmerzen, Schwellung und eingeschränkter Beweglichkeit führt. Die Behandlung erfolgt je nach Bruchform konservativ durch Einrenken und Gips oder operativ mittels stabiler Plattensysteme, um eine korrekte Gelenkstellung sicherzustellen und Spätfolgen wie Arthrose zu vermeiden. Ziel beider Methoden ist die Wiederherstellung der normalen Handgelenksfunktion und die Vermeidung bleibender Beschwerden.
Die chronische Polyarthritis ist eine autoimmune, entzündliche Systemerkrankung, die besonders oft die Gelenke und Sehnen der Hände betrifft und dort langfristig zu Schmerzen, Schwellungen, Funktionsverlust und teils schweren Fehlstellungen führt. Ursache ist eine krankhafte Vermehrung der Gelenkinnenhaut, die Knorpel, Kapseln, Bänder und Sehnen zerstört. Die Behandlung erfolgt primär medikamentös durch den Rheumatologen, ergänzt durch operative Maßnahmen zur Vorbeugung oder Wiederherstellung sowie therapeutische Unterstützung durch Hand- und Ergotherapie.
Der schnellende Finger entsteht durch eine entzündliche Verdickung der Beugesehne und des A1-Ringbandes, wodurch die Sehne beim Gleiten hängen bleibt und ein schmerzhaftes Schnappen oder Blockieren des Fingers verursacht. Anfangs helfen oft konservative Maßnahmen wie Ruhigstellung, entzündungshemmende Medikamente oder Cortison, bei ausgeprägten Beschwerden wird jedoch meist das A1-Ringband operativ gespalten, sodass die Sehne wieder frei gleiten kann. Die Operation ist klein, erfolgt ambulant in Lokalanästhesie und ermöglicht eine schnelle Wiederaufnahme der Fingerbewegung.
Eine Sehnenscheidenentzündung ist eine Entzündung des Gleitgewebes der Sehnen, ausgelöst durch Überlastung, rheumatische Erkrankungen oder selten Infektionen und führt zu belastungsabhängigen Schmerzen im Unterarm oder Handgelenk. Da sie viele andere Erkrankungen imitieren kann, ist die Diagnose oft schwierig und erfordert das Ausschließen anderer Ursachen. Die Behandlung richtet sich nach dem Auslöser und reicht von Schonung und entzündungshemmenden Maßnahmen bis zu spezifischen Therapien bei rheumatischen oder infektiösen Formen.
Die Tendovaginitis de Quervain ist eine schmerzhafte Entzündung und Einengung des ersten Strecksehnenfachs an der Daumenbasis, meist ausgelöst durch Überbeanspruchung, und führt zu Schmerzen beim Abspreizen oder Strecken des Daumens. Die Diagnose erfolgt typischerweise über den Finkelstein-Test. Behandelt wird zunächst konservativ durch Ruhigstellung und entzündungshemmende Medikamente; bei anhaltenden Beschwerden schafft eine operative Spaltung des engen Sehnenfachs zuverlässig Abhilfe.
Sehnenverletzungen an der Hand entstehen durch Schnitt-, Quetsch- oder Überlastungstraumen, aber auch durch degenerative Prozesse wie rheumatische Erkrankungen, und führen zu Funktionsverlust von Fingerbeugung oder -streckung. Die Diagnose erfolgt über Funktionsprüfung und bildgebende Verfahren, insbesondere wenn ein knöcherner Ausriss vermutet wird. Beuge- und Strecksehnenverletzungen erfordern meist eine operative Versorgung, da die Sehnenstümpfe auseinanderweichen und ohne Naht nicht zusammenheilen können.
Ein Skidaumen ist eine Ruptur des ulnaren Seitenbandes am Daumengrundgelenk, meist verursacht durch einen Sturz auf den abgespreizten Daumen, und führt zu Schmerzen, Schwellung und Instabilität beim Greifen. Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung und Röntgen, ggf. ergänzt durch MRT oder Ultraschall. Je nach Art des Risses wird der Daumen entweder sechs Wochen ruhiggestellt oder operativ stabilisiert, um eine dauerhafte Instabilität und spätere Arthrose zu verhindern.
Der Tennisellenbogen ist ein schmerzhaftes Überlastungssyndrom der Unterarmstreckmuskulatur am Ellenbogenaußenseite, das zu Druckschmerz und Schmerzen bei Hand- oder Fingerstreckung führt. Die Behandlung erfolgt zunächst konservativ mit Ruhigstellung, Physiotherapie und entzündungshemmenden Medikamenten; nur bei anhaltenden Beschwerden nach etwa sechs Monaten wird operiert. Nach einer Operation folgt eine kurze Ruhigstellung und anschließende krankengymnastische Übungsbehandlung, mit meist sehr guter Prognose.
Spezialisten
Klinik Landshut-Achdorf
Klinik Landshut-Mitte
Sprechzeiten & Kontakt
Klinik Landshut-Achdorf
- Montag 9:00 - 11:00 Uhr: Handsprechstunde und BG-Kontrollen
- Mittwoch 10:00 - 12:00 Uhr und 13:00 - 17:00 Uhr: Neuvorstellungen Plastische Chirurgie und Handchirurgie
- Donnerstag 9:00 - 11:00 Uhr: Tumor- und Adipositassprechstunde
- Freitag 13:00 - 15:00 Uhr: Wundsprechstunde und Verlaufskontrollen
Nach telefonischer Vereinbarung. Behandlungen mit Krankenhauseinweisungsschein möglich.
Klinik Landshut-Mitte
- Ambulante Sprechstunde: Mo - Do 8:00 - 16:00 Uhr
- Endoprothesen-Sprechstunde: Freitag 8:00 - 14:00 Uhr
- Chefarztsprechstunde: Dienstag 8:00 - 13:00 Uhr, Donnerstag 13:00 - 16:00 Uhr
- Sprechstunde Sporttraumatologie: Donnerstag 09:00 - 13:00 Uhr
- Sprechstunde Schulter und Ellbogen: Mittwoch 08:00 - 15:00 Uhr
- Handsprechstunde: Montag 12:30 - 15:00 Uhr
- Arbeitsunfälle/BG-Sprechstunde: Mo - Do 8:00 - 16:00 Uhr, Fr 8:00 - 14:30 Uhr