Zentrum für Neuropädiatrie und Schlafmedizin für Kinder
Das Kinderschlaflabor
Ausreichender, erholsamer Schlaf ist eine wesentliche Voraussetzung für die gesunde körperliche, geistige und emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Schlafstörungen können sich erheblich auf das Wohlbefinden, die Konzentration, das Verhalten, die Lernfähigkeit und die körperliche Entwicklung auswirken. In unserem Kinderschlaflabor und der angeschlossenen Schlafambulanz bieten wir eine spezialisierte, interdisziplinäre Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen an.
Für eine umfassende Diagnostik organischer Ursachen einer Schlafstörung stehen vier speziell für Kinder ausgestattete Schlaflaborplätze zur Verfügung. Hier werden während des Schlafes verschiedene Körperfunktionen wie z.B. die Atemtätigkeit, der Sauerstoffgehalt im Blut, die Hirnaktivität und Bewegungsmuster im Schlaf kontinuierlich aufgezeichnet. Alle Untersuchungen erfolgen schmerzfrei und in kindgerechter Umgebung.
Unser Schlaflabor ist durch die Fachgesellschaft DGSM (deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin) akkreditiert.
- Ein – und Durchschlafstörungen
- Nächtliche Bewegungsstörungen (z.B. Restless-Legs-Syndrom, unruhiger Schlaf)
- Tagesmüdigkeit, Einschlafneigung, Verhaltensauffälligkeiten und Konzentrationsprobleme am Tag
- Schlafbezogene Atmungsstörungen (Schnarchen, lautes Atemgeräusch, Atempausen) speziell auch bei Kindern mit vorbestehenden chronischen Erkrankungen wie Pierre-Robin-Sequenz, Down-Syndrom und Muskelerkrankungen
- Parasomnische Ereignisse wie Nachtschreck oder Schlafwandeln und Differenzierung von nächtlichem Anfallsgeschehen
- Narkolepsie und die Diagnostik weiterer neuropädriatischer Fragestellungen
- Säuglingsdiagnostik (Abklärung von Stridor, Schnarchen, Atempausen, Störungen des Atemantriebs sowie Zyanose und nicht erklärbaren Zuständen)
- Nachsorge von Kindern mit Heimmonitorüberwachung
- Spezielles Angebot: Einleitung und Überprüfung einer außerklinischen Beatmung (nicht-invasiv oder invasiv) mit der Möglichkeit der ambulanten Betreuung über die Beatmungssprechstunde am SPZ
Unser multiprofessionelles Team besteht aus erfahrenen Kinderärzt:innen, Psycholog:innen, wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen sowie speziell geschultem Pflegepersonal. Gemeinsam sorgen wir für eine umfassende, kindgerechte Betreuung in ruhiger und vertrauensvoller Atmosphäre.
Diagnostik & Therapie
Ablauf der Diagnostik im Schlaflabor
Die Diagnostik im Schlaflabor umfasst in der Regel zwei stationäre Nächte. Das Schlaflabor befindet sich im 5. Stock unseres Hauses (Zentrum für Neuropädiatrie und Schlafmedizin).
Die Anmeldung erfolgt am Aufnahmetag um 15:30 Uhr am Empfang der Kinderklinik. Anschließend finden eine ärztliche Untersuchung sowie ein Aufnahmegespräch mit dem Pflegepersonal statt.
Danach können die Kinder ihr Zimmer beziehen und sich in Ruhe an die neue Umgebung gewöhnen. Die Unterbringung erfolgt in einem Einzelzimmer mit Verpflegung.
- Für Kinder bis zum 9. Lebensjahr sowie für Kinder mit medizinischen Notwendigkeiten werden die Kosten für die Begleitperson in der Regel von Ihrer Krankenkasse übernommen
In allen anderen Fällen wird eine Unterbringungspauschale für die Begleitperson berechnet
Ab ca. 19:00 Uhr beginnt das Pflegepersonal mit dem Anlegen der Sensoren und Elektroden für die Schlaflaboruntersuchung. Sobald alle Kabel angeschlossen sind, können Sie gemeinsam mit ihrem Kind das gewohnte Schlafritual durchführen.
Während der gesamten Nacht erfolgt zusätzlich eine Überwachung und Aufzeichnung mittels Videokamera. Die Untersuchung dauert bis zur üblichen Aufstehzeit Ihres Kindes, spätestens jedoch bis etwa 7:30 Uhr. Während der gesamten Ableitungszeit ist das Pflegepersonal im Überwachungsraum anwesend.
Nach der ersten Untersuchungsnacht erfolgen weitere Untersuchung falls notwendig, gegebenenfalls ist auch eine Beurlaubung für den Tag möglich.
Das Abschlussgespräch mit Erläuterung der Untersuchungsergebnisse sowie den daraus resultierenden Therapieempfehlungen kann zum einen die Möglichkeit telefonisch nach der zweiten Diagnostiknacht zwischen 10:00 Uhr und 14:00 Uhr erfolgen. Insbesondere bei aufwendigeren Ergebnissen, bei Sprachverständnisschwierigkeiten und bei Kindern mit außerklinischer Beatmung ist die Befundbesprechung persönlich vor Ort vorgesehen.
Ihr Kind sollte infektfrei sein, da im Falle eines Infektes Untersuchungsergebnisse häufig verfälscht und somit nicht verwertbar sein können.
Handys bitte ausschalten und ebenso wie Tablets, Laptops und Fernsehen vor dem Einschlafen vermeiden, da der hohe Blauanteil im Bildschirmlicht die Produktion des Schlafhormons Melatonin hemmt und das Einschlafen verzögert sowie zu einer reduzierten Schlafqualität führen kann. Darüber hinaus aktivieren Inhalte auf dem Smartphone oder Tablet (Social Media, E-Mails, Videos) das Gehirn kurz vor dem Schlafen, anstatt es zur Ruhe kommen zu lassen. Das Hören von entspannender Musik, Hörbüchern, Lesen oder Vorlesen ist hingegen eine hervorragende Methode, um zur Ruhe zu kommen, solange sie ihre gewohnte Einschlafroutine widerspiegeln.
Versichertenkarte
Stationäre Einweisung
Ihnen vorab zugesendete und ausgefüllte Fragebögen
Persönliche Schlafutensilien Ihres Kindes (z. B. Kuscheltier, Kissen, Schlafsack)
Medizinische Geräte (zum Beispiel Heimmonitor, Beatmungsgerät), falls vorhanden
Hilfreich sind auch relevante medizinische oder therapeutische Vorbefunde und Berichte
Bettwäsche, Windeln und notwendige Pflegeutensilien werden von der Station gestellt.
www.baygsm.de (Bayerische Gesellschaft für Schlafmedizin)
www.dgsm.de (Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin mit Ratgebern als pdf zum Download)
www.sids.de (Informationen zu sicherem Säuglingsschlaf)
www.restless-legs.org (Selbsthilfegruppe Restless legs Syndrom)
www.dgn-ev.de (Deutsche Narkolepsie Gesellschaft)
Therapie
Auf Grundlage der erhobenen Befunde empfehlen wir individuell auf Ihr Kind abgestimmte Therapie- und Behandlungskonzepte. Unser Behandlungsspektrum umfasst unter anderem eine ausführliche Beratung zur altersgerechten Schlafhygiene sowie eine gezielte Elternberatung. Bei Bedarf bieten wir zudem strukturierte Eltern-Kind-Interaktionstrainings an, die helfen können, Schlafgewohnheiten nachhaltig zu verbessern. Ergänzend kommen verhaltenstherapeutische Maßnahmen sowie verschiedene Entspannungsverfahren zum Einsatz.
Bestimmte schlafmedizinischen Erkrankungen, wie beispielsweise Narkolepsie oder dem Restless-Legs-Syndrom (RLS), können eine medikamentöse Therapie erforderlich machen. Zur weiteren Betreuung wird eine Anbindung über das hiesige SPZ an spezialisierte Fachkollegen angeboten
Bei der Notwendigkeit einer atemunterstützenden Therapie/außerklinische Beatmung wird diese Therapie durch eine interdisziplinäres Team aus Ärztinnen und Ärzten, Physiotherapeutinnen, Psychologinnen und Sozialdienst bereits während des stationären Aufenthaltes engmaschig begleitet. Dieses Team ist auch für die ambulante Therapiebegleitung verantwortlich. Der Austausch zu Medizintechnikfirmen, anderen Facheinrichtungen sowie Betreuungseinrichtungen und Pflegediensten ist uns dabei ein großes Anliegen. Die ambulante Betreuung erfolgt über die Beatmungssprechstunde
Unser interdisziplinär ausgerichtetes Kinderschlaflabor arbeitet eng mit verschiedenen Fachrichtungen zusammen, darunter Kieferorthopädie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kieferchirurgie, Psychologie, Neonatologie, Neuropädiatrie, Logopädie sowie weiteren spezialisierten Disziplinen. Durch diese enge Zusammenarbeit gewährleisten wir eine umfassende Diagnostik und ermöglichen die bestmögliche, individuell angepasste Behandlung für Ihr Kind.
Für einen gesunden Menschen ist es die Normalität, sich abends ins Bett zu legen, die Augen zu schließen und bis zum nächsten Morgen durchzuschlafen.
Viele Kinder mit neuromuskulären, genetischen oder auch posttraumatischen Erkrankungen müssen allerdings um erholsam schlafen zu können, mit einem Gerät beim Atmen unterstützt werden. Diese Maschinen helfen dabei, nachts ungestört und ausreichend zu atmen und somit erholsam und gut zu schlafen, damit der Körper am nächsten Morgen wieder Kraft für den kommenden Tag tanken konnte.
Neben der Einstellung und Überprüfung dieser Geräte in der Nacht im hiesigen Kinderschlaflabor, die zwischen 1-3 x pro Jahr unter stationären Bedingungen erfolgt, ist auch die ambulante Betreuung wichtig, um Störungen frühzeitig zu erkennen. Hierfür wurde die Beatmungssprechstunde am SPZ eingerichtet.
Im Rahmen dieser Sprechstunde werden möglichst alle Geräte (Beatmungsmaschine, Monitor und Hustenhilfe) überprüft. Mit einem interdisziplinären Team aus Ärztinnen und Ärzten, Physiotherapeutinnen und Psychologinnen erfolgen Kontrollen in Regelmäßigen Abständen von 3-6 Monaten.
Diese spezielle Sprechstunde findet immer donnerstags zwischen 14:00 und 17:00 statt. Terminvereinbarung unter Kinderschlaflabor@la-regio-kliniken.de oder unter Tel. 0871 852 1421
Hustenhilfe/CoughAssist
Im Rahmen der Beatmungssprechstunde liegt auch ein besonderes Augenmerk auf der Überprüfung der mechanischen Hustenhilfe.
Kinder, welche Schwierigkeiten haben, ihr Sekret abzuhusten, oder es nicht schaffen, ihre Lunge ausreichend zu belüften, haben oft zusätzlich einen solchen Hustenassistenten zu Hause. Das Gerät simuliert zum einen den Hustenstoß und damit den Säuberungsmechanismus der Lunge. Zum anderen sorgt es bei regelmäßiger Anwendung dafür, das alle Lungenareale mit Luft gefüllt werden und sich Verklebungen in den Lungenbahnen erst gar nicht bilden. Dies ist eine wirksame Prophylaxe zur Vermeidung von Lungenentzündungen (Pneumonien). Diese Geräte kommen vor allem bei Kindern mit Muskelerkrankungen zum Einsatz, finden aber immer mehr Verwendung bei allen, die Schwierigkeiten beim koordinierten Husten haben zB bei Kindern mit einer generalisierten Spastik.
Die Expertise insbesondere der Kolleginnen der Physiotherapie sowie der verantwortlichen Ärzte und Ärztinnen ist für die kindgerechte Anwendung und die fachgerechte Anleitung von Eltern und betreuenden Personen essentiell und durch regelmäßig Schulungen und Begleitungen von technischen Neuentwicklungen ist das hiesige Team mit den neuesten Geräten vertraut.