Radioonkologie und Strahlentherapie
In unserer Abteilung für Radioonkologie und Strahlentherapie verbinden wir modernste technische Ausstattung mit der Expertise erfahrener Ärzte. Unser Anspruch ist es, jedem Patienten ein individuell abgestimmtes, optimales Therapiekonzept anzubieten.
Die Strahlentherapie kann unterschiedliche Ziele verfolgen: kurativ – mit dem Ziel, die Erkrankung zu heilen, oder palliativ – wenn Beschwerden gelindert und die Lebensqualität verbessert werden sollen. Zusätzlich kann in verschiedenen Situationen – zum Beispiel bei der Oligometastasierung (begrenzte Metastasierung) – eine präzise lokale Therapie wie Stereotaxie oder Radiochirurgie die Systemtherapie unterstützen, um die Erkrankung länger zu kontrollieren und die Prognose zu verbessern.
An unseren Linearbeschleuniger True Beam der Firma Varian nutzen wir modernste Verfahren wie Stereotaxie, Radiochirurgie, atemgetriggerte Strahlentherapie und SGRT. Als einzige Strahlentherapie in Niederbayern bieten wir Speziallagerungen in Bauchlage wie Sagittilt für besonders schonende Brustbestrahlungen an.
In unserer Abteilung für Strahlentherapie nutzen wir auch modernste Software mit KI‑Unterstützung (bei der Konturierung von Risikoorganen). Das schafft mehr Zeit für das persönliche Gespräch. Wir setzen auf gemeinsame Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) und beraten Sie umfassend.
Spezialisten
Klinik Landshut-Mitte
Spezialtechniken & moderner technischer Standard
Radiochirurgie – einmalige hochdosierte Präzisionsbehandlung: Die Radiochirurgie kommt insbesondere bei Hirnmetastasen zum Einsatz und ist bei asymptomatischen, kleinen Herden oft die bevorzugte Methode. Dabei werden extrem hohe Bestrahlungsdosen submillimetergenau appliziert – so präzise, dass häufig nur eine einzige Behandlungssitzung erforderlich ist. Diese Technik kann eine operative Entfernung der Metastase sowie einen Krankenhausaufenthalt ersparen.
Fraktionierte Stereotaxie (Stereotaktische Radiotherapie): Auch hier werden sehr hohe Dosen mit submillimetergenauer Präzision verabreicht, jedoch auf mehrere (meist 3–5) Sitzungen verteilt. Eingesetzt wird sie bei größeren Hirnmetastasen oder bei Tumoren wie Lungenkrebs, hepatozellulärem Karzinom, Nierenzellkarzinom, Pankreaskarzinom sowie bei Oligometastasen (z. B. in Knochen-, Lymphknoten-, Nebennieren- oder Leber- und Lungenmetastasen).
Atemgetriggerte Strahlentherapie (DIBH / Gating): Für Organe, die sich mit der Atmung bewegen (Lunge, Nebennieren, Nieren, Leber, Pankreas), steigert Gating die Zielgenauigkeit und schont gesundes Gewebe – insbesondere bei der stereotaktischen Radiotherapie. Zusätzlich setzen wir die atemgetriggerte Technik bei linksseitigem Brustkrebs ein: Das bewusste tiefe Einatmen vergrößert den Abstand zwischen Brust und Herz, sodass Herz und Herzkranzgefäße bestmöglich geschont werden.
SGRT – markerlose Oberflächenüberwachung: Surface‑Guided Radiotherapy überwacht die Patientenlagerung in Echtzeit berührungslos und ohne Hautmarker/Tätowierungen. Das ist präzise und alltagsfreundlich: Patienten müssen nicht mit aufgemalten Markierungen oder Tattoos leben, können normal duschen und fühlen sich im Alltag weniger eingeschränkt.
Sagittilt – Brustbestrahlung in Bauchlage: Sagittilt ist eine spezielle Lagerung ausschließlich für die Brustbestrahlung in Bauchlage. Sie schont Lunge und Herz deutlich und reduziert – insbesondere bei größeren Brüsten – die Hautbelastung durch eine homogenere Dosisverteilung.
IMRT / VMAT: IMRT (intensitätsmodulierte Strahlentherapie) moduliert die Strahlenintensität für maximale Organschonung. VMAT (volumenmodulierte Arc‑Therapie) ermöglicht eine schnelle, dynamische Bestrahlung über rotierende Bögen.
IGRT – bildgestützte Strahlentherapie: Vor jeder Sitzung wird die Lagerung mit Bildgebung überprüft, um die exakte Zielgenauigkeit sicherzustellen.
CBCT – Cone‑Beam‑CT: Direkt am Bestrahlungsgerät erzeugtes 3D‑Röntgenbild unmittelbar vor der Behandlung; es zeigt die aktuelle Lage von Zielgebiet und Organen und erlaubt millimetergenaue Anpassungen.
6D‑Tisch (Varian TrueBeam): Präzise Korrekturen in allen sechs Freiheitsgraden (Translation und Rotation) ermöglichen Submillimeter‑Genauigkeit.
Organerhaltende Strahlentherapie
Viele Tumorerkrankungen können heute ohne Operation geheilt werden.
- Kehlkopfkrebs (vermeidet oft ein Tracheostoma)
- Analkarzinom (meist kein Kolostoma notwendig)
- Rektumkarzinom (in ausgewählten Situationen Vermeidung eines künstlichen Darmausgangs)
- Prostatakarzinom (geringeres Risiko für Inkontinenz, besserer Potenzerhalt)
Auch bei weiteren Erkrankungen kann Strahlentherapie Operationen oder invasive Verfahren ersetzen, z. B. beim hepatozellulären Karzinom (HCC), Nierenzellkarzinom und Lungenkarzinom.
Bei bestimmten, geeigneten Stadien des Harnblasenkarzinoms (insbesondere muskelinvasive Tumoren im frühen Stadium, die gut auf eine kombinierte Behandlung ansprechen) besteht die Möglichkeit einer blasenerhaltenden Therapie. Dabei wird die eigene Harnblase durch eine Kombination aus Strahlen‑ und Systemtherapie behandelt, sodass eine Entfernung der Harnblase häufig vermieden werden kann.
Unsere Experten beraten Sie gerne individuell.
Brachytherapie
Bei der Brachytherapie wird eine Strahlenquelle vorübergehend direkt im oder unmittelbar am Tumor platziert. Dadurch entsteht eine sehr hohe Dosis im Zielgebiet bei gleichzeitiger Schonung des umliegenden Gewebes.
Wir bieten Brachytherapie insbesondere beim Endometriumkarzinom und beim Zervixkarzinom an.
Patienteninformation
Ablauf der Strahlentherapie
Ausführliche Beratung, Erklärung des gesamten Ablauf der Therapie, ggf. Vorstellung im Tumorboard und Absprache mit anderen Fachdisziplinen, die an der Therapie beteiligt sind.
Damit wir Ihre Behandlung sicher und gut vorbereitet starten können, benötigen wir alle wichtigen medizinischen Unterlagen. Diese helfen uns, Ihre Situation vollständig zu verstehen und die Strahlentherapie optimal zu planen. Die Unterlagen können entweder von Ihrem überweisenden Arzt an uns geschickt werden oder Sie bringen sie selbst zum ersten Gespräch mit.
- Aktuelle Arztbriefe (z. B. aus Krankenhaus oder Facharztpraxis)
- Histologiebericht / Pathologiebefund (Befund des entnommenen Gewebes)
- Aktuelle Bildgebung – Befundberichte und die Bilder selbst (CD, USB‑Stick oder digitaler Übertrag)
- Medikamentenplan (inkl. Blutverdünnern oder neuen Medikamenten)
- Allergiepass, Herzschrittmacher‑ oder ICD‑Pass – falls vorhanden
- Liste von Vorerkrankungen oder bereits erfolgten Behandlungen (z. B. Operationen, Vortherapien)
Diese Informationen sind wichtig, damit wir Ihre Sicherheit gewährleisten, die Strahlentherapie individuell anpassen können und mögliche Risiken frühzeitig erkennen. Falls Ihnen Unterlagen fehlen, unterstützen wir Sie gerne bei der Beschaffung.
Für die Bestrahlungsplanung ist ein eigenes, spezielles CT notwendig, da die Bestrahlungsgeräte eine millimetergenaue anatomische Vorlage benötigen, die exakt in Behandlungsposition aufgenommen wird. Deshalb wird ein CT in jener Lagerung durchgeführt, in der später bestrahlt wird – unterstützt durch individuelle Lagerungshilfen. Wenn eine atemabhängige Bestrahlung vorgesehen ist (z. B. stereotaktische Lungen‑ oder Lebertherapie), können mehrere CT‑Aufnahmen erforderlich sein, um unterschiedliche Atemphasen exakt abzubilden.
Die Planung einer Strahlentherapie ist ein mehrstufiger Prozess, bei dem Ärztinnen/Ärzte und Medizinphysikerinnen/Medizinphysiker sehr eng zusammenarbeiten. Ziel ist es, die Strahlung genau dorthin zu bringen, wo sie wirken soll, und gesundes Gewebe bestmöglich zu schützen.
Je nach Ziel der Behandlung, eingesetzter Technik und Größe des zu bestrahlenden Gebietes kann die Strahlentherapie in sehr unterschiedlichen Zeiträumen durchgeführt werden. Sie reicht von sehr kurzen, hochpräzisen Verfahren bis hin zu länger angelegten, klassischen Bestrahlungsserien:
- Radiochirurgie: eine einzige Sitzung, in der eine sehr hohe, submillimetergenau platzierte Dosis verabreicht wird
- Fraktionierte Stereotaxie: 1–5 hochpräzise Sitzungen, z. B. bei Lungen‑, Leber‑ oder Hirnmetastasen
- Palliative Strahlentherapie: meist 1–10 Sitzungen, je nach Beschwerden und therapeutischem Ziel
- Konventionelle fraktionierte Strahlentherapie: typischerweise über 4–8 Wochen, montags bis freitags
Sitzungsdauer: 12–30 Minuten. Patienten sind nach der Behandlung nicht radioaktiv.
Ein entscheidender Bestandteil der täglichen Strahlentherapie sind unsere Medizinischen Technologen. Ihr Aufgabenspektrum umfasst u.a.:
- Begleitung der Patienten an jedem Behandlungstag
- Durchführung der präzisen, sicheren Lagerung
- Überwachung der Behandlung in Echtzeit
Die MTRs befinden sich während der gesamten Dauer der Behandlung in engem Kontakt mit den Patienten und stehen jederzeit gerne für Fragen zur Verfügung.
Wir legen großen Wert darauf, dass unsere MTRs empathisch, ruhig und professionell sowie menschlich nahbar sind. Unser MTR‑Team leistet einen sehr wichtigen Beitrag dafür, dass die Behandlung trotz eines ernsten Krankheitsbildes sicher, respektvoll und routiniert begleitet wird.
Simultane Chemotherapie kann in bestimmten Situationen erforderlich sein und erfolgt ausschließlich in enger Zusammenarbeit mit erfahrenen Onkologen.
Nach Ende der Behandlung führen wir ein Abschlussgespräch und planen regelmäßige Nachsorgetermine, um den Therapieerfolg zu sichern.
Medizinphysik
Eine moderne Strahlentherapie ist immer eine Teamleistung. Neben Ärztinnen und Ärzten sowie unseren MTRs spielen die Medizinphysikerinnen und Medizinphysiker eine zentrale Rolle. Ohne sie wäre eine präzise und sichere Behandlung nicht möglich.
Bestrahlungsplanung
Gemeinsam mit den Ärzten entwickeln sie den physikalischen Bestrahlungsplan. Dafür berechnen sie, nach ärztlichen Vorgaben:
- aus welchen Winkeln bestrahlt wird
- wie stark die Strahlung sein soll
- wie die Dosis optimal im Körper verteilt wird – damit der Tumor zuverlässig getroffen und gesundes Gewebe maximal geschont wird
Dosimetrie
Sie prüfen und messen die Strahlendosis, um sicherzustellen, dass Sie genau die richtige Menge Strahlung erhalten – nicht zu viel und nicht zu wenig.
Qualitätssicherung
Medizinphysiker testen alle Bestrahlungsgeräte regelmäßig – täglich, wöchentlich und monatlich. So wird höchste Sicherheit gewährleistet.
Strahlenschutz
Sie überwachen alle gesetzlichen Sicherheitsvorgaben und sorgen dafür, dass Strahlung nur dort wirkt, wo sie wirken soll – zum Schutz von Patienten, Mitarbeitenden und Umwelt.
Abteilungsübergreifende Expertise
Ihre Fachkenntnis ist auch in der Radiologie, Nuklearmedizin und überall dort gefragt, wo mit Röntgenstrahlung gearbeitet wird. Damit sichern sie nicht nur die Strahlentherapie, sondern die gesamte bildgebende Medizin der Klinik.
Sprechzeiten & Kontakt
Klinik Landshut-Mitte
Die Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie befindet sich im Gebäude B (grün markierte Türschilder) auf Ebene 0 (Erdgeschoss), der Weg dorthin ist vom Haupteingang (Information) gut ausgeschildert.
Spezialsprechstunden
Erstvorstellung neuer Patienten und Nachsorgeuntersuchungen
Montag bis Freitag nach Terminvereinbarung
Tel.: 0871/698-3284
Gesetzlich versicherte Patienten bitte im Ambulanz Zentrum Landshut melden, Tel.: 0871/698-3030
Montag - Donnerstag 07:30 - 16:00 Uhr
Freitag 07:30 - 14:30