Leberheilkunde
Erkrankungen der Leber sind vielfältig und werden leider oft erst spät durch Symptome erkannt. Um dem entgegenzuwirken, etablierten die LA-Regio Kliniken ein Netzwerk aus Ambulanz, nicht-invasiven Diagnoseverfahren und interventionelle Eingriffe im stationären Bereich, um Patienten in stetiger Zusammenarbeit mit weiteren Spezialisten und Fachbereichen von Beginn der Abklärung bis hin zur Therapie und Nachsorge zu begleiten und bestmöglich zu behandeln.
Dadurch kann eine genaue und frühzeitige Diagnostik erfolgen, welche sich als entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung darstellt. Das Team bietet ein breites Spektrum an spezialisierten Untersuchungsmethoden zur Diagnose und Verlaufskontrolle von Leber- und Gallenwegserkrankungen an.
Diagnostik & Therapie
Unser Zentrallabor und externe Partner ermöglichen eine vollständige serologische Abklärung der Leber und Leberfunktion. Auch genetische Untersuchungen werden von uns in Auftrag gegeben.
Vom Muster der Enzymerhöhung lässt sich teilweise bereits auf die Art der Erkrankung schließen. Meist sind aber weitere spezifische Tests notwendig.
Diese Laboruntersuchungen können wir Patienten unserer ASV Leber ohne Zusatzkosten anbieten (auch gesetzlich versicherten Patienten).
Dank moderner Methoden ist der Ultraschall der Leber ein effektives Mittel zur Beurteilung verschiedener Leberveränderungen.
Des Weiteren ermöglicht er auch die Durchführung von dynamischen Untersuchungen, wie z.B. die Kontrastmitteluntersuchungen zur Beurteilung von Raumforderungen in der Leber. Diese werden oft ergänzend zu radiologischen Verfahren (MRT/CT) benötigt.
Zu Beurteilung der Lebersteifigkeit oder auch genannt Fibrosestadium (Umbauprozesse der Leber) können mittlerweile auch zuverlässig nicht-invasive Verfahren angewandt werden.
Die transiente Elastographie der Leber, oft auch als Fibroscan bezeichnet, ist ein risikofreies Verfahren zur Beurteilung des Fibrosegrades. Ursprünglich zur Bestimmung des Reifegrades von französischem Käse entwickelt, misst dieses Gerät den Vernarbungsgrad in der Leber bei chronischen Lebererkrankungen anhand der Lebersteifigkeit. Ein höherer Anteil an Bindegewebe führt zu einer steiferen Leber.
Diese Untersuchung dauert nur wenige Minuten und gibt uns wertvolle Hinweise auf das Ausmaß einer Leberfibrose sowie den Verlauf einer Lebererkrankung und erlaubt uns außerdem, in den meisten Fällen eine Zirrhose auszuschließen.
Eine verwandtes, nicht-invasives Verfahren ist das ARFI, das in unseren Ultraschallgeräten integriert ist und ebenfalls die Lebersteifigkeit misst.
Was ist TIPS?
Transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt - TIPS
Wenn der Druck in der Pfortader aufgrund einer Lebererkrankung erhöht ist, kann die Anlage eines künstlich geschaffenen Shunts Entlastung bieten und potenziell gefährliche Komplikationen verhindern. Auch lassen sich bereits bestehende Komplikation, die einen großen Einfluss auf die Lebensqualität haben, gut behandeln, wie z.B. freies Wasser im Bauch (Aszites).
Die Anlage eines transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunts (TIPS) ist ein minimal-invasives, interventionell-radiologisches Verfahren. Dabei wird eine direkte Verbindung zwischen der Lebervene und der Pfortader hergestellt. Die komplette Shuntanlage erfolgt über einen venösen Zugang im Halsbereich, womit diese Untersuchung auch bei Patienten mit eingeschränkter Blutgerinnung sicher durchzuführen ist. Dieser minimal-invasive Eingriff hat mittlerweile chirurgische Verfahren abgelöst, die denselben Zweck erfüllen sollten.
Die häufigste Ursache für einen erhöhten Druck in der Pfortader ist eine Leberzirrhose. Durch den narbigen Umbau in der Zirrhoseleber wird Blutfluss von Darm und Milz durch die Leber behindert. Der Druck in der Pfortader steigt an, was zu gefährlichen Komplikationen führen kann. Nach Anlage eines TIPS sinkt der Druck, da eine gewisse Blutmenge die Leber umgehen kann.
Falls Sie weitere Informationen benötigen oder als niedergelassener Kollege einen Patienten vorstellen möchten, können Sie gerne einen Termin in der ASV Leber vereinbaren oder sich in der Privatambulanz vorstellen.
Wie läuft die TIPS-Anlage ab?
Die TIPS Anlage ist ein minimal-invasives Verfahren, das unter Röntgen-Durchleuchtung stattfindet.
Die Anlage erfolgt transjugulär über die rechte oder linke Vena jugularis interna (innere Halsvene). Somit kann die gesamte Untersuchung mit einer lokalen Bestäubung im Halsbereich sicher durchgeführt werden. Auf Patientenwunsch besteht auch die Möglichkeit, eine leichte Sedierung („Dämmerschlaf“) durchzuführen. Durch einen Katheter wird eine Lebervene sondiert, in die eine gekrümmte Punktionsnadel eingeführt wird. Diese Nadel kann mittels Ultraschall sichtbar gemacht werden, ebenso wie die Pfortader und deren Verzweigungen in der Leber. Unter ständiger Ultraschallkontrolle wird die Punktion präzise durchgeführt, um Fehlpunktionen zu vermeiden.
In der Regel wird intrahepatisch, also innerhalb der Leber, ein größeres Pfortadergefäß punktiert. Dies erfolgt meist von der rechten Lebervene in den rechten Pfortaderast oder von der mittleren Lebervene in den linken Pfortaderast. Die erfolgreiche Punktion wird durch einen kräftigen Blutrückfluss aus der Nadel nach außen und durch Röntgendurchleuchtung mit Kontrastmittelinjektion verifiziert.
Ein Führungsdraht wird in die Nadel eingeführt und in die Pfortader, Vena mesenterica superior (obere Darmvene) oder Vena lienalis (Milzvene) platziert. Über den Führungsdraht wird ein Katheter eingeführt, um die Pfortadergefäße und gegebenenfalls Umgehungskreisläufe, insbesondere Varizen, darzustellen und den Druck zu messen.
Ein Stent (Röhrchen) wird über den Führungsdraht eingeführt und so platziert, dass eine direkte Verbindung zwischen Pfortader und Lebervene entsteht. Die Wahl des Stents richtet sich nach der erforderlichen Drucksenkung und der Länge der Strecke zwischen Pfortader und Lebervene. In unserer Klinik wird ein Durchmesser von 8 oder 10 mm gewählt, um eine Differenz von 10 bis 15 mm Hg zwischen dem Druck in der Pfortader und dem rechten Vorhof des Herzens zu erreichen.
Nach erfolgreicher TIPS-Anlage kann der venöse Zugang am Hals entfernt werden. Alle Patienten werden anschließend für 24 Stunden auf einer Überwachungsstation überwacht. Danach findet die weitere Betreuung auf der gastroenterologischen Normalstation statt.
Die TIPS-Anlage schafft eine portosystemische Verbindung, die als Shunt bezeichnet wird. Die TIPS Anlage findet vor allem Anwendung bei Patienten mit gastrointestinalen Blutungen als Ursache des erhöhten Pfortaderdrucks (z.B. Varizen im unteren Bereich der Speiseröhre, im Mageneingang und Magenboden, seltener um Varizen im Mastdarm oder Dickdarm). Zudem stellt es eine effektive Therapieoption bei wiederkehrenden Aszites (Bauchwasser) dar.
Mit der TIPS-Anlage erreichen etwa 70% der Patienten eine vollständige Rückbildung des Aszites, während etwa 20% eine teilweise Rückbildung erfahren. Etwa 10% der Patienten gelten als Non-Responder, bei denen noch andere Ursachen des Aszites als der Pfortaderhochdrucks vorliegen. Begleitend kann die medikamentöse Therapie (z.B. Wassertabletten) rasch abgesetzt oder zumindest in der Dosierung deutlich reduziert werden. Die Rezidivblutungsrate bei Patienten mit TIPS ist deutlich geringer als bei Patienten, die endoskopisch behandelt werden.
In den meisten Fällen handelt es sich um Varizen im unteren Bereich der Speiseröhre, im Mageneingang und Magenboden, seltener um Varizen im Mastdarm oder Dickdarm.
Für welche Patienten ist die TIPS-Anlage sinnvoll?
- Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose, die unter Komplikationen leiden wie:
- refraktäre Aszites (Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum)
- wiederkehrende oder schwer kontrollierbare Blutungen aus Varizen, am häufigsten im Bereich der unteren Speiseröhre (Ösophagusvarizenblutung)
- Patienten, bei denen andere therapeutische Maßnahmen wie medikamentöse Behandlungen, Diätänderungen oder endoskopische Verfahren nicht ausreichend wirksam sind oder nicht durchführbar sind.
- Patienten, bei denen eine verbesserte Lebensqualität und eine Verringerung der Krankenhausaufenthalte angestrebt werden, indem der Druck im portalen Venensystem reduziert wird.
- Patienten, die nicht für eine Lebertransplantation geeignet sind oder auf eine Transplantation warten.
Wir bieten Ihnen modernste Methoden zur Leberprobenentnahme an, um Ihnen die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten. Wir verstehen die Bedeutung einer präzisen Diagnose und bieten Ihnen daher drei unterschiedliche Verfahren an, um Ihre Lebergesundheit zu beurteilen:
Transkutane Leberbiopsie mit Ultraschall
Unser erstes Verfahren ist die transkutane Leberbiopsie mit Ultraschall. Hierbei wird eine lokale Betäubung verwendet, sodass keine Sedierung erforderlich ist. Dies ermöglicht nicht nur eine rasche Durchführung des Verfahrens, sondern auch eine schnelle Rückkehr in den normalen Tagesablauf. Dank des Ultraschalls können wir die Biopsie präzise und gezielt durchführen, was eine hohe Genauigkeit gewährleistet.
Dieses Verfahren wird meist für Patienten mit einem umschriebenen Befund in der Leber verwendet.
Minilaparoskopische Leberbiopsie
Für unsere minilaparoskopische Leberbiopsie mit visueller Darstellung verwenden wir spezielle Miniatur-Laparoskope, um die Leber direkt zu sehen und zu punktieren. Dies ermöglicht nicht nur eine visuelle Darstellung der Leber, sondern auch die Gelegenheit, an verschiedenen Stellen der Leber zu punktieren.
Dadurch erhalten wir eine umfassende Bewertung, insbesondere da Krankheiten in der Leber inhomogen verteilt sein können. Darüber hinaus reduziert die Möglichkeit der lokalen Blutungstillung vor Ort das Risiko von Blutungsproblemen erheblich.
Transjuguläre Leberbiopsie
Unser drittes Verfahren ist die transjuguläre Leberbiopsie mit Pfortaderdruckmessung. Diese Methode ist minimal-invasiv und schmerzfrei, da nur ein kleiner Stich im Halsbereich erforderlich ist.
Insbesondere für Patienten mit eingeschränkter Gerinnung ist dies von Vorteil, da das Risiko von Blutungsproblemen äußerst gering ist. Darüber hinaus ermöglicht die Untersuchung eine Messung des Pfortaderdrucks und gibt uns einen zusätzlichen funktionellen Parameter zur genaueren Bewertung der Leberfunktion. Diese Information hat in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen, weil die Druckverhältnisse uns Aufschluss über zukünftige Komplikationen geben. Somit können wir bereits primärprophylaktisch eingreifen (also VOR Eintreten einer Komplikation) als bisher reaktiv nach einer Komplikation.
Bei Fragen zu unseren Leberbiopsieverfahren oder zur Vereinbarung eines Termins stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Mikrowellenablationen (MWA)
Bei einer Mikrowellenablation (MWA) wird der Tumor in der Leber nicht entfernt, sondern das Gewebe an Ort und Stelle durch Hitze zerstört. Sie kommt für Patientinnen und Patienten in Betracht, wenn eine chirurgische Entfernung nicht möglich oder sinnvoll ist.
Der Eingriff erfolgt in Dämmerschlafnarkose mit lokaler Betäubung und Medikamenten zur Schmerzstillung und Beruhigung. Hierbei wird eine spezielle Sonde, die Mikrowellen abgibt, unter Ultraschall- oder CT-Kontrolle in den Tumor eingeführt. Die Nachsorge beinhaltet eine Kontrolle des Ablationsareals (zerstörtes Gewebe) durch einen Kontrastmittel-Ultraschall.
Transarterielle Chemoembolisation (TACE)
Die transarterielle Chemoembolisation (TACE) ist ein Verfahren der interventionellen Radiologie. Grundsätzlich kommt eine TACE dann infrage, wenn eine Operation oder eine Mikrowellenablation (MWA) nicht möglich sind, zum Beispiel weil der Tumor zu groß ist. Eine TACE kann sowohl in einem palliativen Setting angewandt werden als auch bei anderen Indikationen. Es kann zum Beispiel als Vorbehandlung einer MWA eingesetzt werden oder für Patientinnen und Patienten mit einem Leberzellkarzinom, die für eine Lebertransplantation gelistet sind und bei denen die Wartezeit bis zur Transplantation überbrückt werden soll.
Ein hepatozelluläres Karzinom (HCC) erhält etwa 80 Prozent seiner Blutversorgung über die Leberarterie, während das gesunde Lebergewebe hauptsächlich über die Pfortader versorgt wird. Diese Unterschiede in der Blutversorgung ermöglichen es, die Blutzufuhr zum Tumor gezielt zu unterbrechen. Zusätzlich wird die Tumorbehandlung durch die direkte Anwendung von Zytostatika optimiert, die die Tumorzellen zerstören. Die TACE-Behandlung kann in regelmäßigen Abständen wiederholt werden, um den gewünschten Behandlungserfolg zu erzielen.
Transarterielle Radioembolisation (TARE)
Das Verfahren der transarteriellen Radioembolisation – manchmal auch SIRT, selektive intraarterielle Radioembolisation genannt – ähnelt dem der TACE und wird bei nicht operablem Leberzellkrebs sowie bei Lebermetastasen angewendet. Hierbei werden radioaktive Partikel durch einen Katheter in die Arterien eingeführt, die den Tumor versorgen. Dies führt einerseits zur Verringerung der Durchblutung und andererseits zur gezielten Bestrahlung des Tumors mit hoher Strahlendosis. Die Mikrokügelchen geben eine Strahlung mit sehr geringer Reichweite ab. Die Gesamtstrahlenbelastung für das Organ ist dabei gering, weshalb sie als gut verträglich gilt.
In der ASV Leber behandelt wir sehr komplexe und schwer therapierbare Erkrankungen der Leber wie immunologisch-entzündliche, toxische oder gefäßbedingte Schädigungen der Leber.
Weitere Informationen finden Sie hier: ASV Seltene Lebererkrankungen an der Klinik Landshut-Mitte
Spezialisten
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Sprechzeiten & Kontakt
Klinik Landshut-Achdorf
Das Sekretariat ist von Montag bis Freitag von 8.00 bis 16.00 Uhr besetzt.
Die Anmeldung befindet sich im Erdgeschoss, nach der Pforte rechts (Zimmer 17a, Glasanbau "Anmeldung Endoskopie").
Sprechstundentermine bieten wir für Privatpatienten und Selbstzahler an
Sprechstunden nach Vereinbarung