Kinderschutzmedizin
Nahezu jedes zweite Kind ist im Laufe seines Lebens von Vernachlässigung, Misshandlung oder Missbrauch betroffen. Die seelischen und körperlichen Folgen können bis ins Erwachsenenalter nachwirken.
Warnsignale richtig zu deuten und verantwortungsvoll zu handeln, ist eine anspruchsvolle Aufgabe – für Eltern ebenso wie für pädagogische Fachkräfte, Mitarbeitende der Kinder- und Jugendhilfe sowie (Kinder-)Ärztinnen und -Ärzte. Werden Verletzungen festgestellt und medizinisch versorgt, kommt es darauf an, mögliche Gewalt als Ursache in Betracht zu ziehen und entsprechend zu reagieren.
Die Kinderschutzgruppe als multiprofessionelles Team trifft mit unterschiedlichen diagnostischen Maßnahmen eine Einschätzung, um eine Kindeswohlgefährdung zu bestätigen oder auszuschließen. Im Rahmen von Fallkonferenzen wird der konkrete Einzelfall ausführlich besprochen und das weitere Vorgehen, ggf. zusammen mit dem zuständigen Jugendamt, festgelegt. Ziel ist immer, die geeignete Hilfe und Unterstützung für die Eltern zu finden und Kinder vor Gewalt zu schützen.
Die Kinderschutzgruppe der Kinderklinik St. Marien wurde 2004 als eine der ersten Kinderschutzgruppen in Deutschland gegründet und ist von der Deutschen Gesellschaft Kinderschutz in der Medizin (DGKiM) akkreditiert. Aktuell arbeiten in der Kinderklinik St. Marien fünf nach DGKiM zertifizierte KinderschutzmedizinerInnen.
Das Team besteht aus:
- Ärzten verschiedener Fachrichtungen mit Expertise in Kinderschutzmedizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinderchirurgie, Pädiatrie, Kindergynäkologie u. a.
- Sozialpädagogischen Fachkräften
- Kinder- und Jugendpsychiaterinnen, Psychologinnen
- Familien - Gesundheits- und Kinderkrankenpflegende mit Zusatzqualifikation
Für Zuweiser u.a. Kinder- /Hausärzte, Jugendämter, sonstige Fachkräfte: Terminvereinbarung über die Kinderschutzambulanz (Tel. 0871-852-1070) oder über das Sekretariat SPZ (Tel. 0871-852-1325)
Zum Termin bitte ist folgendes mitzubringen:
- Versichertenkarte
- Überweisung vom behandelnden Kinderarzt ans SPZ (eine Überweisung vom Hausarzt ist nicht ausreichend)
- Gelbes Untersuchungsheft und Impfpass, unabhängig vom Alter des Kindes
Für Eltern – Mütter, Väter und andere Sorgeberechtigte: Anmeldung über SPZ (Tel. 0871-852-1325)
Zum Termin bitte mitbringen:
- Versichertenkarte
- Überweisung vom behandelnden Kinderarzt ans SPZ (eine Überweisung vom Hausarzt ist nicht ausreichend)
- Gelbes Untersuchungsheft und Impfpass, unabhängig vom Alter des Kindes
Sollte eine akute/notfallmäßige kinderschutzmedizinische Untersuchung notwendig sein, wenden Sie sich bitte außerhalb der üblichen Dienstzeiten an die Notaufnahme der Kinderklinik St. Marien (Tel. 0871-852-0).
Um Familien bei Bedarf passgenaue Unterstützung anbieten zu können, arbeitet die Kinderschutzgruppe eng mit den zuständigen Jugendämtern und dem regionalen und überregionalen Netzwerk zusammen.
Diagnostik
- Stationäre Kinderschutzmedizin: Die kinderschutzmedizinische Diagnostik wird nach S3+ Leitlinie durchgeführt. Sie umfasst eine umfangreiche medizinische und psychosoziale Diagnostik durch ein multiprofessionelles Team.
- Kinderschutzambulanz: Im ambulanten Rahmen erfolgt eine multiprofessionelle Abklärung in unserem SPZ. Neben den akuten zeitnahen Untersuchungen kann auch hier umfassende erweiterte Diagnostik stattfinden, die sich dann in der Regel über einen längeren Zeitraum erstreckt. Die Medizinische Kinderschutzambulanz ist Anlaufstelle für Verdachtsfälle von Kindeswohlgefährdung und dient Institutionen wie zum Beispiel Ärzten, Jugendamtsmitarbeitern, Betreuungseinrichtungen, Justiz und Polizei als Ansprechpartner.
- Kinderschutzmedizinische Untersuchung durch Ärzte verschiedener Fachrichtungen
- Kindergynäkologische Untersuchung durch spezialisierte Kinderärztinnen – nach Terminvereinbarung
- Psychosoziale Diagnostik und Beratung
- Entwicklungsorientierte Betrachtung der Eltern-Kind-Interaktion – z. T. videogestützt
- Sozialpädiatrische Diagnostik und Therapie (SPZ)
- Multiprofessionelle Einschätzung nach kinderschutzmedizinischer Diagnostik